
Adrina Pegah war Erstklässlerin, gerade sechseinhalb Jahre alt, als sie zusammen mit ihrer Mutter Farideh Jahangiri getötet wurde.
Ihr Vater erzählt:
„Ich bin selbst Lehrer in dieser Stadt, und in diesem Moment war ich im Dienst. Die Nachricht erreichte uns, und innerhalb von zehn Minuten war ich an dieser Schule.
Vorher hatten wir von Kerbela nur aus Erzählungen gehört. Aber an jenem Tag sahen wir Kerbela mit eigenen Augen. Minab wurde zum Kerbela des Iran.
In jenen ersten Momenten sah ich die zerrissenen Körper von Kindern, verbrannte Kleidung, verbrannte und zerbrochene Pulte und Bänke in der Schule von Minab. Als ich ankam, war die Schule zu Staub geworden. Diese Schule hatte eine Treppe. Morgens, wenn ich meine Tochter zur Schule brachte – denn Töchter stehen ihren Vätern meist besonders nahe –, schickte ich sie mit einem Kuss in die Klasse. Aber als ich an jenem Tag ankam, gab es keine Schule und keine Treppe mehr.“
Über das Martyrium seiner Frau spricht er:
„Nachdem ich den Zustand der Schule gesehen hatte, zerriss ich vor lauter Trauer und Schmerz meine eigene Kleidung. Ich hatte keine Kontrolle mehr darüber. Ich rannte zum Arbeitsplatz meiner Frau, der nahe der Schule lag. Sie arbeitete im Landwirtschaftsamt. Ich sah, dass die Tür zum Büro meiner Frau verschlossen war. Mir wurde klar, dass sie losgegangen war, um unsere Tochter zu suchen, und dass auch meine Frau nun unter den Trümmern lag.
Nach achtundvierzig Stunden fand ich den reinen Leib meiner Frau im Krankenhaus, mithilfe von Fotografien, die von den Märtyrern gemacht worden waren. Es dauerte zwei Tage, die Bestattung vorzubereiten. Dann sagte man mir, dass auch meine Tochter im Krankenhaus zur Märtyrerin geworden war. Ich hielt sofort auch ihre Trauerfeier ab.“
An anderer Stelle wendet er sich an Trump und Netanjahu und ihre leeren Versprechen:
„Wir alle haben mit eigenen Augen gesehen, was für eine Freiheit sie versprochen hatten. Ihre Freiheit sah so aus, dass wir vor den zerrissenen Körpern unserer siebenjährigen Töchter standen. Meine Tochter war sieben Jahre alt. Ich frage sie: Welche Freiheit habt ihr meiner Tochter gebracht? Was war in der Schultasche meiner Tochter? In der Tasche meiner Tochter lag keine Bedrohung für die Menschheit. Darin waren eine Handvoll Buntstifte, ein paar Hefte und ein paar Stifte.
Meine letzte Erinnerung an meine Tochter ist eine Textnachricht von ihr. Sie war in der ersten Klasse und hatte gerade erst lesen und schreiben gelernt. Abends wartete sie immer darauf, dass ich nach Hause kam, damit wir zusammen zu Abend essen konnten. Am Abend vor ihrem Martyrium schrieb sie mir vom Telefon ihrer Mutter aus: ‚Papa, ich bin’s, Adrina. Hast du schon gegessen? Ich hab dich lieb, Papa.‘
Das ist die letzte Nachricht, die ich von meiner Tochter habe, und ich bewahre sie als Andenken auf.
Sie hat auch Basketball gespielt. Ihr Basketball liegt jede Nacht in meinen Armen. Ich hoffe, dass ich diesen Ball eines Tages in den Korb meiner Sehnsucht legen kann. Jede Nacht halte ich den Basketball meiner Tochter und schlafe mit ihm ein.“
Der Vater der Märtyrerin Adrina Pegah sagt:
„Wie man auf ihrem Foto sieht, war meine Tochter als das blauäugige Mädchen der Shajareh-Tayyebeh-Schule bekannt. Sie war ein sehr kreatives Mädchen, ein Mädchen, das seinem Alter voraus war. Sie war erst sieben, aber ihre Taten und Gedanken gingen über ihre Jahre hinaus.“