Minab
Amir Mohammad and Helma Ghasemi

Schüler

Amir Mohammad and Helma Ghasemi

Die Kinder, die ihr Vater suchte

Amir Mohammad Ghasemi war in der dritten Klasse. Seine Schwester Helma war in der vierten Klasse. Sie stammten aus Gerash, in der Provinz Fars.

Um 11:17 Uhr an jenem Morgen rief Amir Mohammads Lehrerin, Frau Shahriari, ihren Vater an und sagte ihm, die Schule werde geschlossen und er solle die Kinder abholen. Er befand sich in Bandar Abbas (100 km entfernt). Er rief den Schulfahrer an und bat ihn, sie zu holen. Der Fahrer war bereits etwa einen Kilometer von der Schule entfernt, als der Angriff geschah.

Als der Vater hörte, dass die Schule in Minab getroffen worden war, eilte er dorthin. In jenen Momenten, sagt er, zählte nichts außer dem, zu seinen Kindern zu gelangen. Nicht sein eigenes Leben, nicht die Gefahr, nicht der Weg. Nur ein Gedanke blieb: dorthin zu kommen und sie zu retten.

Aber als er ankam, war der Teil der Schule, in dem seine Kinder gewesen waren, zerstört. Er sagt, er suchte nicht mehr nach seinen Kindern lebend. Er suchte nach ihren Körpern.

Helma hatte die Schule beinahe mit dem Vater eines Mitschülers verlassen, erinnerte sich aber daran, was ihr eigener Vater ihr gesagt hatte: mit niemandem außer dem Schulfahrer mitzugehen. Sie kehrte in die Schule zurück.

Sie kam nie wieder nach Hause.

Gegen Abend fand ihr Vater Amir Mohammad unter den Trümmern in der Nähe der Kapelle. Ein Betonstück hatte einen Teil seines Körpers eingeklemmt, und Splitter hatten sein Bein getroffen. Später in derselben Nacht fand er Helma in der Leichenhalle, in die die Leichen gebracht worden waren. Sie war fast unversehrt, nur der Handrücken ihrer linken Hand war verbrannt. Ihr Vater sagt, beide Kinder hätten beim ersten Einschlag die Hände in einer Schutzhaltung erhoben.

Amir Mohammad und Helma waren zwei Kinder, die gehorchten, warteten, vertrauten und dort blieben, wo man ihnen gesagt hatte zu bleiben. Der Krieg machte aus diesem Gehorsam Trauer.