
Fatemeh Taheri-Fard war die Schulleiterin der Shajareh-Tayyebeh-Schule. Sie war nicht nur Lehrerin, sondern half auch jungen Männern und Frauen in Minab, ihre Eheschließung zu erleichtern. Sie lieh sogar den Hochzeitsanzug ihres eigenen Mannes an Bräutigame aus, um ihnen die finanzielle Last der Heirat zu erleichtern. Sie war sehr engagiert: bei religiösen Zusammenkünften nach der Schule, im Kontakt mit den Familien, bei der Betreuung der Anliegen der Menschen. Als Fatemeh an dieser Schule eingestellt wurde, hatte die Schule 40 Schülerinnen und Schüler. In ihren acht Dienstjahren wuchs die Schule auf mehr als 400 Schülerinnen und Schüler und 40 Lehrkräfte.
Die Mutter der Märtyrerin erzählt, dass Fatemeh ihr eines Abends im Dezember sagte: „Mama, ich habe geträumt, dass der Leichnam eines Märtyrers von der Kreuzung Arzaq bis zur Kreuzung der Gendarmerie getragen wurde, und ich habe zugesehen.“ Wenige Monate später wurde Fatemeh selbst auf genau dieser Strecke zu Grabe getragen.
Von dem Moment an, als das Schulpersonal vom Angriff auf Teheran erfuhr, entschied man, die Schule zu schließen, und begann, die Familien der Schülerinnen und Schüler anzurufen und sie zu bitten, ihre Kinder abzuholen. Diese rechtzeitigen Anrufe retteten rund 280 Schülerinnen und Schüler.
Im Moment der ersten Explosion befand sich Fatemeh Taheri-Fard auf dem Schulhof. Nachdem die erste Rakete die Schule getroffen hatte, bewegte sie sich zur Treppe, um das obere Stockwerk zu erreichen, wo sich die Mädchen befanden. Andere versuchten, sie aufzuhalten, weil die Gefahr zu groß war. Doch sie antwortete mit Worten, die das ganze Gewicht eines Lehrerinnenherzens tragen: „Ich muss gehen. Meine Mädchen sind oben.“
Sie erreichte das obere Stockwerk. Nur wenige Sekunden später traf die zweite Rakete ein. Diese Rakete tötete sie und andere um sie herum.
Der Bericht über die Rettung und die Räumung der Trümmer zeigte später immer wieder dieselbe Wahrheit: Die Lehrerinnen hatten zuerst an die Kinder gedacht. Ihr Ehemann erzählte, dass man bei der Räumung des Schutts Lehrerinnen fand, die gestorben waren, während sie mehrere Schülerinnen und Schüler in den Armen hielten. In den letzten Momenten der Shajareh-Tayyebeh-Schule lief Fatemeh Taheri-Fard nicht vor der Gefahr davon. Sie lief auf ihre Schülerinnen und Schüler zu.